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Feilen und Raspeln

  • Theo
  • 9. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Gerade für Selbermacher sind Handwerkzeuge oft die einzige mögliche Lösung, um Material abzutragen oder ein Loch auszustechen, etc. Das scheint mir jedoch nur auf den ersten Blick ein Problem. Klar, wenn es eilt, weil die Baustelle fertig werden muss, dann bleibt keine Zeit für entspanntes Feilen. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass es mit einer Maschine immer besser, schneller und schöner wird. Bleibt höchstens die Frage, ob (je)man(d) bei der Planung etwas geschludert oder ob einen die berühmte Verkettung unvorhersehbarer Zufälle in die Bredouille gebracht hat.


Mein Thema hier ist eher entspanntes Arbeiten. In Ruhe Handwerken und es genießen. Wenn Sie so rasch wie möglich einen ganzen Stoß Bretter ablängen müssen, dann besorgen Sie sich logischerweise eine Kappfräse. Ob Sie diese mieten, leihen oder kaufen, das ist Ihre persönliche Entscheidung.


Zurück zum Thema: Eine genau gearbeitete Oberfläche auf Metall zu erreichen ist mit einer Flex fast unmöglich. Die Einschränkung gilt für Leute, die das schon lange machen oder eben ein Händchen dafür haben. Und wie kommt man zu diesen Fertigkeiten? Durch konzentriertes Üben mit schlichten Handwerkzeugen.


Auszubildende im Metallgewerbe müssen zu Beginn der Lehre oft monatelang nur feilen. Dabei geht es natürlich auch darum, festzustellen, ob jemand die Geduld und Ausdauer aufbringen kann, um die Lehrzeit durchzustehen. Und das gewählte Handwerk später erfolgreich zu beherrschen.


Auf dem oberen Teil finden Sie eine Auswahl an Feilen und Raspeln, auf dem unteren Werkstücke und die jeweils zur Bearbeitung verwendeten Werkzeuge
Auf dem oberen Teil finden Sie eine Auswahl an Feilen und Raspeln, auf dem unteren Werkstücke und die jeweils zur Bearbeitung verwendeten Werkzeuge

Bei Holz erreicht man mit Raspeln vergleichsweise schnell ein sichtbares Resultat. Abrunden, Schweifen, zierliche Formen erschaffen oder auch bloß Gewicht reduzieren. Das dürfte ein Hauptthema bei Heimwerkern darstellen.


Das Halbrund im Holz ist das Ergebnis von einigen wenigen Strichen. Natürlich kann man mit einer Raspel kein Metall bearbeiten. Umgekehrt Holz mit einer Feile funktioniert immerhin einigermaßen. Allerdings eher um Kanten zu brechen oder eine Fläche im Stirnholz zu glätten. Für Alu sind vergleichsweise grobe Feilen geeignet, um rasch viel Material abzutragen.


Als Heimwerker benötigen sie als Grundausstattung eine Rund- und eine Flachfeile. Anstelle der Flachen können Sie auf eine Halbrundfeile, also ein sichelförmig gearbeitetes Werkzeug ausweichen. Das reicht für die meisten Fälle aus.


Der Radius am Rund entspricht übrigens häufig einem gängigen Rohrdurchmesser. Den benötigt man, um einen Sattel für das entsprechende Teil herzustellen. Wie auf dem Bild im Holz als Beispiel, in der Praxis eine Verbindung bei Geländern von Handlauf und Pfosten. Funktioniert selbstverständlich ebenso bei massiven Stäben aus Holz oder um ein Metallrohr in eine Holzkonstruktion sauber einzubetten.


Für spezielle Anwendungen sind ebensolche Werkzeuge erhältlich. Da lohnt es sich, einen Blick ins Angebot zu werfen. Die Spanne allein für die Metallbearbeitung reicht von winzigen Schlüssel- bis zu wuchtigen Flachfeilen, die auch mal deutlich mehr als ein Kilogramm wiegen können.


Bei allen Feilen/Raspeln gilt: Sie funktionieren nur in eine Richtung. Beim Zurückziehen abheben oder wenigstens keinen Druck ausüben. Analog zu fast jedem Werkzeug mit Zähnen wie Hand-Metallsägen, Ketten- bis hin zu Kreissägen. Die Ausnahmen, z. B. sehr grobe Handsägen für Brennholz, verfügen über eine Zahnung in beiden Richtungen.


Was kann ich noch mitgeben? Der größte Feind einer Feile ist eine Weitere. Gefolgt von Flüssigkeiten wie Wasser oder insbesondere Handschweiß. Direkten Kontakt der Arbeitsflächen unbedingt vermeiden. Gerade in Schubladen aufeinandergelegte Feilen sind der klassische Kardinalfehler. Eine Feile ist niemals schärfbar. Man kann höchstens verklemmte Späne vorsichtig mit einer Feilenbürste aus Messing entfernen. Dabei nur in die Richtung der Rillen bürsten.


(Bei Feilen spricht man vom Hieb, um die Form bzw. das Muster der Rillen zu bezeichnen.) Früher wurden Feilen von sog. Feilenhauern von Hand angefertigt. Der zweite (eher wichtigere) Schritt war/ist das ideale Härten der Oberflächen.


Das Thema umfasst ein riesiges Gebiet, das sich ebenso über alte Schmiedetechniken, verlorenes Wissen und die frühe Gewinnung von Metallen erstreckt. Was landläufig als Eisen bezeichnet wird, ist praktisch ausschließlich Stahl. Eine Zwischenform stellt Gusseisen in verschiedenen Sorten dar.


Industriell erzeugter Stahl ist jedoch eine relativ neue Errungenschaft. (Ca. 1850). Davor konnten nur findige Schmiede Stähle im weitesten Sinn herstellen. Nachdem sie durch ihre tägliche Arbeit gelernt hatten, dass auch die Verwendung von Holzkohle in der Esse die Qualität des Materials positiv beeinflussen konnte. Außer dem mehrfachen Erhitzen, neu aufeinander Schichten und wieder und wieder Aushämmern von glühenden Klumpen aus Eisenerz.


Diese Behandlung führte schließlich zu einem brauchbaren Ergebnis. (Dieses geschichtete Material, das meistens in Form von Schwert- oder Degenklingen erhalten ist, wird heute als Damaststahl bezeichnet). Fachkenntnisse die mutmaßlich als Familiengeheimnisse gehütet und wohl über Generationen weitergegeben wurden.


Eisen tatsächlich zu schmelzen, also zu verflüssigen, war damals weder möglich noch zielführend. (Direkter Kontakt mit Sauerstoff aus der Luft zerstört flüssiges Eisen. Deshalb findet Schweißen von Stahl stets unter einer Schutzschicht statt. Wie das in der Praxis funktioniert, dazu bald mehr, in einem separaten Beitrag.) Oder bei Interesse, wie immer, direkt im Netz.


Übrigens ist es ziemlich einfach, in der Werkstatt Stahl/Eisen von anderen Metallen sicher zu unterscheiden. Die wenigen Ausnahmen spielen in der Praxis kaum eine Rolle. Alles, was von einem Magneten angezogen wird, ist Stahl oder eben Eisen. Auch Mischungen wie z. B. Edelstähle mit noch über 70% Eisenanteil verlieren den Magnetismus bereits. (Z. B. Chrom/Nickelstahl 18/10)


Der Übergang ist natürlich fließend. Hie und da finden sich Edelstähle, die noch eine schwache Anziehung zeigen. Wichtig in diesem Zusammenhang: Edelstahl rostet auch nicht. Zumindest nicht in normaler Umgebung. Am Meer (Salz) oder bei erhöhten Sicherheitsanforderungen wird die Beimischung von Cr/Ni und weiteren Elementen entsprechend angehoben. Die Mischung wird als Legierung bezeichnet. Häufig benannt als Güte in VA 2 oder VA 4).


Stähle in Legierungen verändern ihre Eigenschaften in fast unglaublicher Vielfalt. Hinzu kommen diverse zusätzliche Verfahren, wie Sintern, Härtungen oder als praktisches Gegenteil eine sog. Alterung. Wer sich dafür interessiert, wird für einige Zeit auf Material zum Lernen stoßen.


Handgehauene Feilen/Raspeln findet man ev. bei Bildhauern, Sammlern oder speziell interessierten Handwerkern. Sie sind erkennbar an den vergleichsweise unregelmäßig verlaufenden Mustern. Eine Garantie ist das jedoch keineswegs. Alles, was gefragt ist, wird irgendwie nachgebaut oder auch bloß als angebliches Original angeboten.


Ein entsprechendes Feilenmuster am Schluss
Ein entsprechendes Feilenmuster am Schluss

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