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Ein altes Möbel in der eigenen Lieblingsfarbe

  • Theo
  • 9. Juni
  • 11 Min. Lesezeit

Natürlich ist das kaum ein Ding für die Ewigkeit. Aber immer noch besser als planlos "irgendwas neues" zu kaufen. Und ein solches Teil hält sich, durch die Farbe geschützt, auch auf dem Balkon, im Vorgarten oder im Gartenhaus für einige Zeit. Und nicht zuletzt, man/frau benötigt nun wirklich keine expliziten Fachkenntnisse. Es reicht völlig aus, wenn Sie imstande sind einen Kuchen zu backen oder ein Hemd zu bügeln, um auch meinem "Rezept" zu folgen. (Ich kann übrigens beides nicht richtig.) Was ich damit sagen möchte: Wer bestimmt denn, dass man zwei linke Hände hat? Jeder hat irgendein Talent. Bloß weil in grauer Vorzeit einmal ein Versuch nicht geklappt hat, soll Hopfen und Malz verloren sein? Gegenbeispiele gibt es reichlich. Einstein und Churchill sollen lausige Schüler gewesen sein, etc.


Genug der Vorrede, legen wir los. Falls nichts für diesen Zweck Brauchbares herumsteht, (immerhin möglich), gehen Sie zum Trödler oder suchen Sie im Netz. Eventuell eher ein Kleinmöbel, aber selbst das spielt am Ende keine Rolle. Das Möbel sollte Sie ansprechen, jedoch nicht aus einem edlen Holz gefertigt sein, das zu erhalten sich lohnt. Falls doch, stellen Sie es vorerst zurück, um ein mögliches Prachtstück zum Restaurieren kümmern wir uns später.


Schrammen und tiefe Kratzer sind übrigens überhaupt kein Problem. Denen rücken wir mit Füllmassen, auch Spachtel genannt, zu Leibe. Und gleich zu Anfang: Es gibt die meisten Farben als Spray, ich weiß. Aber abgesehen von Kleinteilen, wie ein Wechselrahmen oder meinetwegen einem Blumentopf, das Sprayen führt selten zu schönen und belastbaren Oberflächen. Außerdem ist es ungesund und der Niederschlag legt sich auf alles. Wo er meistens besser hält als auf dem Werkstück. Wenn Sie tatsächlich über einen Raum oder die Möglichkeit verfügen, Farbe zu spritzen, dann besorgen Sie sich eine schlichte Fließbecher-Spritzpistole. Den Umgang damit zeige ich am Schluss kurz auf. Meine Empfehlung ist jedoch: Rollen Sie die Farben auf.


Das lernen Sie schnell und können es zur Not auf dem Balkon oder sogar in der Küche erledigen. Einfach den Untergrund mit Altpapier/Deckfolien etc. vor Spritzern und Tropfen schützen. Genauso, wie wenn ein Zimmer gestrichenwerden soll. (Falls Sie das schon getan haben, umso besser, ansonsten könnte dies der nächste Schritt in Ihrer Selbermachen-Karriere werden.)


Das lernen Sie schnell und können es zur Not auf dem Balkon oder sogar in der Küche erledigen. Einfach den Untergrund mit Altpapier/Deckfolien etc. vor Spritzern und Tropfen schützen. Genauso, wie wenn ein Zimmer gestrichen werden soll. (Falls Sie das schon getan haben, umso besser, ansonsten könnte dies der nächste Schritt in Ihrer Selbermachen-Karriere werden.)


Mein Altmöbel im spanischen Kolonialstil-Look
Mein Altmöbel im spanischen Kolonialstil-Look

Keine Sorge, das Ding ist keine echte Antiquität. Obwohl etwa 40 – 50 Jahre alt. Um das festzustellen, muss man nicht Experte sein. Das Teil wurde aus einer Wohnzimmerfront herausgesägt, deshalb die Schnittflächen oben. Immerhin keine Spanplatte. Dass es sich um ein modernes, auf alt getrimmtes industriegefertigtes Möbel handelt, erkennt man z.B. an den vorgebohrten Löchern für Regalbretter im Innern. Das Muster sieht genauso aus, wie bei jedem anderen zeitgenössischen Schrank. Die Seiten(wände) bestehen aus verleimtem Schichtholz, die Türe mit den(gefrästen)Füllungen und die Rundstäbe darin sind aus massivem (gedrechseltem) Holz. Die Rückwand ist aus handelsüblichem, dünnem Sperrholz. Durch die Einfärbung wirkt das Möbel relativ edel, das war natürlich der Zweck der dunklen Beize.


Selbst wenn wir die Schnittflächen nicht sehen könnten. Allein die Verbindungen des Türrahmens zeigen die typischen Ausfräsungen von modernen Kehl/Fräsmaschinen. Falls Sie sich dafür interessieren, was Fälscher so alles leisten in diesem Bereich, dazu finden Sie im Netz eine Menge Informationen. Mein Möbel ist jedoch keine echte Fälschung, sondern eher ein modischer Nachbau, der in den Siebzigern sehr beliebt war. Typische Merkmale für diese Kopien finden sich übrigens meistens an den Schubladen. Sog. Fingerzinken anstelle von ausgestemmten Schwalbenschwänzen sind ganz bestimmt keine Handarbeit. Kreuzschlitz oder Sechskantschrauben sind ebenfalls Teile aus der Neuzeit, um die häufigsten Indizien weiter zu ergänzen.


Wenn Sie ihr gefärbtes Möbel im Freien aufstellen wollen, dann vermeiden Sie Teile mit Schnittkanten von Spanplatten. Diese quellen trotz der Farbschicht vermutlich schon im ersten Winter auf und zerfallen buchstäblich zu Staub. Das Material erkennt man in vorgebohrten Löchern oder schlicht an der Stabilität. Ein massives bzw. verleimtes Brett gibt auf Druck kaum nach, eine Spanplatte dagegen lässt sich vergleichsweise leicht durchbiegen. Auch bei meinem Möbel zeigt sich bei näherem Hinsehen in der Schramme am Oberteil das typische Muster von gepressten Spänen. Um es im Freien aufzustellen, ließe sich eine robuste Deckplatte mit etwas Überstand aufkleben. Fände ich auch schöner, aber egal.


Fächer mit RAL-Farben
Fächer mit RAL-Farben

Eventuell stehen irgendwo Farbreste herum, die man verwenden könnte. Bei mir trifft es zu, da steht noch eine Dose mit zartem altrosa.


Falls Sie jetzt denken, so einen Blödsinn mache ich nicht mit, dann bleiben Sie trotzdem dabei. Die Farbe der Farbe tut ja eigentlich nichts zur Sache. Vorbehandlung und Aufbau der Schichten sind auch für "normale Farben" auf rohem oder behandeltem Holz geeignet. Beispielsweise zur Renovierung einer gestrichenen Hausfassade bzw. eines ebensolchen Gartenzauns etc. Wichtig: Verwenden Sie nur matt- oder seidenglänzende Farben auf vergleichsweise unebenen Flächen.


Der lapidare Satz: „Entfernen Sie zuvor lose Anstriche und alte Farbreste, bevor Sie mit dem Neulackieren beginnen“, stammt wohl von jemandem, der dies noch nie tun musste. Selbst wenn man das lose Material abgekratzt hat, können sich die Reste eventuell nicht mit dem neuen Lack vertragen. Der Untergrund kann wellig werden und sich kräuseln. Dann am besten gleich aufhören, um den richtigen Weg zu finden. Möglicherweise kann ein Tiefgrund oder ein Vorlack helfen. Wenn sich ein Muster vom Bau entfernen lässt, gehen Sie damit z. B. in ein Fachgeschäft für Farben, dort sollte man Ihnen weiterhelfen können. Bei kleinen Flächen schleifen Sie die Altfarbe mit Sandpapier weg oder versuchen Sie es ev. mit einem Heißluftgebläse. Diese Methode erspart zwar eine chemische Rosskur, hat jedoch ebenso ihre Tücken. Nicht bloß die Finger sind gefährdet. (Selbst durch die Handschuhe!) Legen Sie die heiße Maschine niemals auf empfindlichen Flächen ab und achten Sie auf genügend Distanz zu leichtentzündlichen Materialien. Rauch und Dämpfe können echt giftig sein. Dann ist Sandstrahlen (lassen) eventuell doch die bessere Lösung. Auf jeden Fall macht es keinen Sinn, sich wegen altertümlicher Farbe die Gesundheit zu ruinieren. Besprechen Sie das Problem mit einem Fachmann, einem Maler oder einem Architekten. Bei alten Häusern sind oft noch bleihaltige Farben im Spiel, deshalb auf jeden Fall Material und Vorgehen abklären, bevor Sie sich an die große Fläche einer Altbau-Fassade wagen.


Im Bereich von Möbeln, bzw. in Innenräumen, dürften die Gefahren deutlich kleiner sein. Beim Schleifen von Altanstrichen eine Maske zu tragen, schadet jedoch kaum.


Das Möbel ist angeschliffen, grundiert, gespachtelt und mit Schleifwolle zwischengeschliffen.
Das Möbel ist angeschliffen, grundiert, gespachtelt und mit Schleifwolle zwischengeschliffen.

Bei strukturierten Oberflächen muss man nicht zwingend alle Rückstände entfernen. Was hält, kann bleiben. Ein Beispiel finden Sie auf dem nächsten Bild. Inklusive einer Auswahl an geeignetem Malerwerkzeug für den bevorstehenden Anstrich. Eine wässerige Grundierung kann man übrigens ruhig mit einem billigen Pinsel auftragen.

Tür angeschliffen und grundiert mit Malerwerkzeug
Tür angeschliffen und grundiert mit Malerwerkzeug

Nach dem Grundieren sollte die Oberfläche kurz mit einer Schleifwolle geglättet werden. Die leichte Rauheit ist bei Holz normal und zeigt, dass das Produkt in den Untergrund eingedrungen und getrocknet ist. Jetzt können Sie mit dem ersten Farbauftrag beginnen. Der Erste ist ernstgemeint, versuchen Sie besser nicht, auf einmal sehr viel Farbe an der gleichen Stelle zu belassen. Die Rolle nicht zu tief in die Farbe eintauchen, sondern auf der schrägen Fläche durch Abheben und Rollen gleichmäßig füllen. Dann gehen Sie mit der saftigen Rolle auf das Möbel, möglichst nicht auf schon gestrichene Flächen oder auf Kanten. Im Prinzip parken Sie die Farbe erstmal auf der Fläche, danach beginnen Sie mit dem gleichmäßigen Verteilen, bis ein neues Stück Anstrich fertig ist. Achten Sie auf die Richtung des Holzes, aber ebenso darauf, eine Überkreuzung der folgenden Anstriche zu erhalten. Es muss nicht 90° sein, eventuell halten Sie sich an die Form der bayrischen Rauten.


Übrigens schadet es der Rolle nicht, wenn man sie zu tief in die Farbe eintaucht. Aber sie beginnt bald zu tropfen und zu spritzen, wenn Farbe ins Innere der Mechanik eindringen konnte. Sie werden bald merken, dass die kleinen Farbrollen sehr effizient sind und schöne, gleichmäßige Oberflächen erzielen. Bei Strukturen und in Ecken benötigen Sie jedoch trotzdem einen Pinsel. Erledigen Sie die Stellen mit dem Pinsel stets (laufend) vor dem Rollen. Und man kann mit der Außenseite einer (kleinen) Farbrolle durchaus mal eine Ecke oder eine Hohlkehle kurz einschmieren und danach alles wieder sauber auswalzen.


Die frische Farbe glänzt übrigens immer, auch in matt oder Seidenglanz. Machen sie sich also nicht gleich Sorgen, dass Sie ein falsches Material verwenden. Beim Trocknen wird der Glanz verschwinden. Falls nicht, stimmt dann wohl doch etwas nicht. Kein großes Problem, Hauptsache der letzte Anstrich erfolgt mit dem richtigen Produkt.


Nach dem Trocknen ist Zeit um die erst jetzt deutlich zu erkennenden Dellen und Schrammen nachzuspachteln.


Ein Beispiel sehen Sie auf dem folgenden Bild.


Es ist nicht so, dass Sie viele Fehler gemacht haben im ersten Durchgang. Größere Mengen Spachtel schrumpfen meist beim Aushärten und die bessere Sichtbarkeit hilft dabei, alle Fehlstellen jetzt zu finden und zu eliminieren.


Nachgespachtelte Fläche nach dem ersten Anstrich
Nachgespachtelte Fläche nach dem ersten Anstrich

Nachgespachtelte Stellen unbedingt anschleifen, bevor Sie die nächste Schicht Farbe auflegen. Auch die umgebende Fläche bis zu den Kanten am Schluss mit einer Schleifwolle kurz überziehen. Dadurch verhindern Sie (optische) Flecke in der Oberfläche durch die verschiedenen Rauheiten.


Falls es doch passiert, holen Sie das Schleifen der betroffenen Fläche nach und legen eine weitere Schicht Farbe darüber. Bei einem Kleinmöbel fällt der Farbverbrauch kaum ins Gewicht und meistens bleibt ohnehin etwas davon über. Wie Sie die Rolle "frischhalten" können, zeige ich später.


Trocknungszeiten: Eine weitere Farbschicht können Sie nach relativ kurzer Zeit auftragen, aber die Farbe sollte nicht mehr kleben. (Ausnahme beim Spritzen, da wird die Fläche nicht berührt.) Das gilt ebenso für das Aufbringen von weiterem Spachtel. Schleifen in jedem Fall erst nach 24 Std. oder wenigstens am folgenden Tag, bei guten Bedingungen. (Raum geheizt, trockene Luft etc.) Ev. vorsichtig an einer verdeckten Stelle ausprobieren. Es hängt natürlich sehr von der Art des eingesetzten Materials ab, wie rasch etwas trocknet/aushärtet. Bei 2-Komponenten-Farben liegt die sog. Topfzeit manchmal unter einer Stunde. Dispersionen trocknen ebenfalls ziemlich rasch. Ich bin kein Maler, sodass ich nur allgemeine Grundsätze kenne. Auf jeden Fall sollte man die verschiedenen Lösungsmittelsorten nicht beliebig mischen. Bei einfacheren Aufgaben reicht ein modernes wasserlösliches Produkt aus. Um beispielsweise Farbe auf Sitzflächen länger haltbar zu machen, verwenden Sie am besten eine 2-K-Farbe. Auch die Grundierungen sind wichtig und für Holz oder Metall nicht beliebig austauschbar. Lassen Sie sich beraten und achten Sie auf die Hinweise in den Datenblättern. Das gilt ebenso für den passenden Verdünner. (Bei Dispersion oder anderen wasserlöslichen Farben ist es ganz normales Wasser aus der Leitung.) Daneben sind auch Kunstharzlacke oder Acrylfarben anzutreffen, diese benötigen genau abgestimmte chemische Lösungsmittel aus der jeweils richtigen Kategorie.


Deshalb sollten Sie Pinsel, Rollen, etc. keinesfalls mit Wasser und/oder Seife zu reinigen versuchen, wenn Sie mit lösungsmittelhaltigen Farben arbeiten. Farbrollen, wie in meinem Beispiel, lassen sich durch Einwickeln in übliche Frischhaltefolie bis zu einer Woche brauchbar halten. Am Ende der Arbeit werfen Sie das Teil besser weg, als irgendwie versuchen, es zu reinigen.


Ausnahme: Bei Dispersionen ist es vertretbar. Wie die Rolle eingepackt wird, (mit etwas Material in der Walze), sehen Sie unter anderem auf dem folgenden Bild.


So sieht das fertige Möbel aus. Es ist kein vorher/nachher Foto, ich habe zwei Stück von der Sorte. Als Eye-Catcher ist es immerhin geeignet. Wenn man ein ganzes Zimmer oder eine Ferienwohnung damit ausstattet?


Ich hatte da mal einen Auftrag. Deshalb auch die Reste der Farbe. Vom Blau war leider nichts mehr übrig.

Das fertige Möbel in mattem altrosa
Das fertige Möbel in mattem altrosa

An sich war das Ganze gar keine schlechte Idee. Alle Möbel hatte mein Kunde vom Sperrmüll in ähnlichem Stil besorgt und durch die Einfärbung passten die Sachen am Ende tatsächlich zusammen. Auch eine Art, Dingen einen neuen Zweck zu geben. Wie erwähnt, ich bin zwar kein Maler, habe jedoch einige Erfahrungen im Spritzlackieren gesammelt. Falls Sie also die Möglichkeiten/Räume/trockene Druckluft haben, ein paar Tipps dazu. Als Anfänger versuchen Sie es am besten mit einer schlichten und entsprechend preiswerten Fließbecherpistole. Ein Bild finden Sie weiter unten.


Ein kleiner (Muster)Becher reicht übrigens für den Anfang. Mehrere machen vor allem Sinn, wenn man in einer bestimmten Abfolge arbeiten muss. Der größte Vorteil eines Fließbechers besteht in der geringen notwendigen Luftmenge. Sie können sich ja sicher vorstellen, dass die Farbe von selbst nach unten fließt. Auch wenn sie nur schwach verdünnt ist, im Vergleich zu Spraydosen. Die Druckluft dient nur dazu, die Farbe durch die Düse zu pressen und den Farbstrahl einzugrenzen. Wenig Luft bedeutet weniger Wirbel und Niederschlag im Raum. Natürlich benötigen Sie trotzdem eine gute Schutzmaske. Ein Anzug ist freiwillig, aber bei größeren Mengen? Ev. eine Haube für die Haare, falls Sie noch welche? - okay, geht mich nichts an.


Was auf keinen Fall fehlen darf, ist ein Filter für die Farbe. In der Dose kann sich etwas Haut gebildet haben. Fetzen davon reichen aus, um jede Spritzpistole zu verstopfen. Aber auch andere Verunreinigungen wie z. B. ein Pinselhaar etc. lassen sich nicht ausschließen. Wenn Sie dann mitten in einer Fläche das Gerät zerlegen und reinigen müssen, ist der Spaß an der Arbeit schnell vorbei.


Fließbecherpistole und Farbfilter
Fließbecherpistole und Farbfilter

Nebst Filter und Maske brauchen Sie unbedingt Druckluft ohne Wasseranteile. Entleeren Sie wenn möglich den Kessel des Kompressors vollständig und lassen das Kondensat ablaufen. Falls sich Öler für Druckluftmaschinen am Gerät befinden, müssen sie diese entfernen und einen neuen/anderen, sicher sauberen Schlauch für die Spritzpistole verwenden. Wenn Sie die Druckluft aus einer größeren Hausanlage beziehen, dürfte deren Qualität normalerweise ausreichend sein. Den Druck zum Spritzen eher niedrig halten. Ich kann keinen Wert als richtig bezeichnen, das hängt von zu vielen Faktoren ab. Beginnen Sie den Spritzversuch mit 0,5 bar und steigern Sie wenn nötig, bis sich ein ruhiger Strahl bildet. An der Pistole können Sie keine Druckeinstellung vornehmen. Dazu benötigen Sie einen vorgeschalteten Druckminderer mit Manometer. Wenn sich auch bei deutlich höherer Einstellung keine gleichmäßige Schicht erzielen lässt, dürfte die Verdünnung der Farbe zu gering sein. Typisch sind an Fetzen erinnernde Anhäufungen auf dem Untergrund. (Spritzversuch als Anfänger besser auf einem Stück Karton etc. vornehmen, nicht gleich auf dem Werkstück.)


Beim Verdünnen ebenfalls nur kleinste Mengen direkt in den Fliessbecher geben und unbedingt umrühren. (Praktisch ist, wenn Sie sich zuvor eine Möglichkeit geschaffen haben, um das Gerät einzuspannen oder stabil einzustellen.)


Das Umrühren der Farbe ist übrigens auch sehr zentral, bevor Sie den Becher überhaupt füllen. Farbe schichtet sich in der Dose. Darauf achten, dass am Boden kein Widerstand mehr fühlbar ist. Bei größeren Behältnissen empfiehlt es sich, einen Schrauber mit Rührwerkzeug benutzen. Abgesehen davon, die Konsistenz von neuer Farbe ist meistens für den Pinsel gerade richtig. Zum Spritzen wird es etwas Verdünnung benötigen. (Mit Verdünnung ist der jeweils dem verwendeten Material entsprechende Stoff gemeint.)


Die meisten Spritzpistolen haben zwei Einstellschrauben. Diejenige hinten am Gerät reguliert die Farbmenge. Genauer begrenzt man den Weg des Fingerhebels. Auch hier, richtig ist ein nicht flatternder oder pulsender Farbstrahl. Die Schraube seitlich verändert die V-Form des Strahls. Vorne am Düsenkopf befinden sich dazu zwei Austrittslöcher für Luft. Farbe strömt nur in der Mitte. Die Wirkung der Schraube einfach ausprobieren. Bei schmalen Teilen fliegt sonst z. B. eine ganze Menge Farbe nutzlos am Werkstück vorbei.


Der Düsenkopf, gehalten durch eine Überwurfmutter lässt sich senkrecht oder quer stellen, je nach Bedarf bzw. Vorliebe des Anwenders. Dieses Teil am Ende der Arbeit entfernen und gründlich reinigen. Am Schluss der Reinigung kurz mit Verdünner/Reiniger durchspritzen. (Am besten lagern Sie den Düsenkopf in einer verschließbaren Dose in Reiniger für Pinsel oder in einem lösungsmittelhaltigen Verdünner. Dadurch können sich keine Farbreste in den feinen Bohrungen festsetzen.)


Wenn möglich spritzen Sie auf liegende Flächen. Das begrenzt die Wahrscheinlichkeit von sog. Nasen oder Läufern. Natürlich ist das nicht immer machbar, es ist ein einfacher Grundsatz für die Praxis. Eine Alternative kann sein, dass Sie das Möbel so schräg aufstellen, dass keine Fläche ganz senkrecht steht. Sobald Sie etwas Erfahrung gesammelt haben, werden Sie das Teil zuerst auf den Kopf stellen und die jeweils später unsichtbare Boden- oder entspr. Deckenpartie bei einem Hängeschrank einsprühen. Danach drehen Sie das Möbel gleich auf drei oder vier Stückchen aus grobem Sandpapier um "und geben ihm den Rest." Bei diesem Vorgehen haben Sie auch keinen Niederschlag auf schon fertigen (trockenen) Flächen zu befürchten.


Wie mit der Rolle, die Schichten eher über Kreuz, aber bei Holz trotzdem in Faserrichtung aufsprühen. Auf homogenen Flächen wie Metall, MDF, etc. mit 90° arbeiten.


Auch die Form der Werkstücke spielt eine Rolle. Beispiel: Leisten eines Gartenzauns. Die Leisten flach auf die Vorderseite mit etwas Abstand nebeneinanderlegen. Fangen Sie an einem Ende der Lage mit den Kanten an. Immer in die gleiche Richtung, weg von der fertigen Schicht sprühen. Dann die anderen Seiten, (auch oben und unten,) im Zurückgehen. Im dritten Durchgang bleiben die Flächen übrig. Anschließend werden Sie warten müssen, bis die Farbe sog. grifffest geworden ist, bevor Sie die Teile umdrehen können. Auf der Vorderseite dann den gesamten Vorgang nochmals wiederholen. Ansonsten können Sie beim Spritzen mehrere Lagen kurz hintereinander aufbringen. Dadurch verbessert sich die Verbindung der Schichten. (Wird auch als "nass in nass" Prinzip bezeichnet.)


Stets beachten, ob sich an schrägen oder senkrechten Teilen irgendwo Fließbewegungen andeuten. Wenn es sehr viel ist, eventuell mit einem Pinsel etwas Farbe abnehmen und nach dem Antrocknen die Stelle ausbessern.


Bei komplizierten Formen den Ablauf genau planen, bevor Sie anfangen. Beginnen in innenliegenden Ecken, danach die Kanten. Diese sollten möglichst mehrere Schichten erhalten, damit sich nicht gleich der Untergrund zeigt, wenn man mal aneckt. Größere sichtbare Flächen stets als letztes einsprühen.


Sie haben in diesem Bereich eigene Erfahrungen gesammelt, die Sie mit anderen Selbermachern teilen möchten? Nur zu, man muss ja nicht jeden Fehler auch noch selbst machen.


Ich wünsche auf jeden Fall viel Spaß mit Ihrem ersten selbstgefärbten Möbel. Ungeachtet des gewählten Farbtons.

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