Umgang mit Magnetbohrmaschinen Bereich
- Theo
- 9. Juni
- 4 Min. Lesezeit
In der Metallbearbeitung ist das Bohren von Löchern eine zentrale Aufgabe. Man benötigt Löcher für Schrauben, Nieten, Wellen, Bolzen etc. Bohrungen nennt man eher Löcher mit genaueren Werten, wie z. B. die Zylinder-Bohrung bei Motoren oder in Hydraulikteilen. Bei Löchern für Kugellager spricht man von Sitzen, weil diese Bohrungen ein Lager festhalten können müssen, ohne es zu sehr einzuklemmen. Da sind hohe Anforderungen an Toleranzen und Oberflächen unerlässlich.
Jede Kategorie wird mit den dafür geeigneten Werkzeugen bearbeitet. Nur zur Ergänzung: Werkzeuge sind nicht bloß Hammer und Schraubenschlüssel. Sondern auch alle Teile die Späne abtragen, Werkstücke formen oder Löcher stanzen usw. Also diejenigen, die direkt mit dem Material in Kontakt kommen. Natürlich meistens als Bestandteil von größeren oder kleineren Werkzeugmaschinen.
Als Heimwerker bleibt man meistens bei Durchgangslöchern. Eventuell reicht es zum Gewindeschneiden. (Einen Beitrag dazu finden Sie im Blog.) Falls man eine Drehbank zur Verfügung hat, werden die Möglichkeiten vielfältiger. Dazu irgendwann später mehr, wenn Sie mir die Treue halten.
Der Titel Magnetbohrmaschine ist ebenso eine Abkürzung wie die meisten Bezeichnungen bei Maschinen. Der Magnet dient bloß dazu, die Maschine auf dem Werkstück festzuhalten. Ja, genau, die Maschine auf dem Werkstück, nicht umgekehrt. Wozu große schwere Teile auf genauen Maschinen herumwuchten, wenn es eine viel einfachere Möglichkeit gibt?
Praktisch jeder Stahlträger benötigt Löcher, um Schrauben anzubringen. Die Einschränkung liegt allerdings im Material. Nur normale Baustähle und alle Gussarten auf der Basis von Eisen haften an einem Magnet. Alles andere jedoch nicht! Das umfasst Edelstähle, alle Buntmetalle, Aluminium etc.
Als Alternative kann man sich im Heimwerkerbereich eine Magnetbohrmaschine auch auf einer Stahlunterlage "ankleben" und als Tischbohrmaschine verwenden. Immerhin besser, als freihändig zu bohren. Und nicht zuletzt, können Sie damit auch Holz oder alle anderen möglichen Materialien bearbeiten.

Nun zur Anwendung. Auf den Bildern stelle ich Ihnen eine Kompakt-Magnetbohrmaschine mit MK 2 Konus-Aufnahme vor. Ein festes Bohrfutter ist zwar robuster, schränkt den möglichen Verwendungszweck jedoch sehr ein, das werden Sie rasch feststellen. Konusaufnahmen vertragen vor allem keine grobe Behandlung, keinen Rost oder Verschmutzung. Das sollten Sie bedenken, wenn Sie die Maschine nicht gemietet haben und in einer feuchten oder ungeheizten Umgebung aufbewahren müssen.
Auch die Oberfläche des Magnetfusses, also besonders die Unterseite, sollte sehr vorsichtig behandelt werden. Jeder Kratzer mindert die Haltekraft. Die Maschine deshalb nur auf Holz oder sauberen Flächen aus Metall abstellen. Am schlimmsten sind Fußböden aus Beton oder Stein. Eventuell den Magnetfuß gelegentlich mit einem Abziehstein planen, wie es auch auf anderen Aufspannflächen bei Werkzeugmaschinen üblich ist.
An dieser Stelle ein Wort zur Haltekraft. Der (mit Netzstrom betriebene) Magnet benötigt eine gewisse Materialdicke, um die volle Kraft zu entfalten. Ein 2 mm Blech reicht dazu nicht aus. Allerdings kann man ein Stück Stahl oder eine Schicht aus weiteren Blechen unter das zu bearbeitende Teil legen, dann hält der Magnet trotzdem. Bei dünnen Blechen funktioniert auch das Bohren eines ganzen Stoßes. Allerdings sollten die Bleche mittels Schraubzwingen oder etwas dergleichen zusätzlich zusammengehalten werden.
Hochwertige Maschinen zeigen die Kraft des Magneten durch Leuchtdioden an. Rot bedeutet schlechten Halt, orange mahnt zur Vorsicht und grün ist ok. Einige Maschinen und die meisten separaten Magnetständer sperren den Arbeitsstrom für die Maschine automatisch, bei schwachem Magnetfeld.
Bedenken Sie auch unbedingt, dass jederzeit ein kurzer Stromausfall passieren kann. Oder jemand auf der Baustelle zieht Ihren Stecker oder löst einen Fehlerstrom-Schalter aus. Falls Sie die Maschine senkrecht oder sogar über Kopf anwenden, in jedem Fall mit Zurrgurten verlässlich sichern. Auf ebenen Flächen ist die Gefahr weniger groß. Die Maschine wird auch nicht wieder von selbst anlaufen, das verhindert die interne Verschaltung.

Nun kommen wir zu diesem Morse-Konus. Auf dem Foto liegen div. Beispiele. Ganz links ein Austreiber zum Lösen der Werkzeuge. Der Morse-Konus hält durch bloßes Einstecken in die Spindel. (Reibschluss.) Zum Lösen ist etwas Kraft nötig, deshalb die jeweils passenden Austreiber und das abgerundete Kopfende an den Werkzeugen. Bei eventuellem Blockieren löst der Konus (meistens) bevor größerer Schaden entsteht.
Daneben liegen Spiralbohrer und Reibahlen in MK 1 und 2. Gefolgt von einer Aufnahme für Kernlochbohrer, einem Bohrfutter mit werkzeugloser Schnellspannung und schließlich zur Ansicht zwei Werkzeuge in MK 3 und 4.
Für die verschiedenen Größen kann man Reduzierhülsen verwenden, damit passen kleine Konusse auch in große Spindeln. (MK sind von Größe 1 bis etwa 5 noch üblich.) Sie können auf Automaten nicht eingesetzt werden, sind aber trotzdem an Bohrern, Futtern oder auch an Zentrierspitzen von kleinen Drehbänken nach wie vor Standard. Oben links sind Pinsel und Gefäß mit Schneideöl sichtbar.
Kernbohren: Auf Bild 3 sehen Sie 4 Stadien einer Kernbohrung in einen Breitflanschträger. Man bohrt eine kleine Senkung mit einer Handbohrmaschine beim Anreißen an. (Anstelle eines Körners.) Darin findet der nach oben verschiebbare Zentrierstift des Kernlochbohrers sein Zentrum. (Auf dem Foto optisch etwas verschoben, der gezeigte Lochdurchmesser beträgt 24 mm.)
nsicht nach dem Durchbruch und schließlich der aus dem Werkzeug entfernte Kern. Mit dieser Methode lassen sich Löcher bis 30 mm Durchmesser und Tiefe auch auf dieser relativ kleinen Maschine problemlos bewerkstelligen. Selbstverständlich muss das Werkzeug dabei mit Schneideöl geschmiert/gekühlt werden.



Natürlich werden Sie kaum genau diese Maschine antreffen. Die meisten Bedienelemente sind jedoch zumindest ähnlich vorhanden bei Kompaktmaschinen. Ganz oben links, die Öffnung in der Spindel für den Austreibkeil. Werkzeug mit sanftem Hammerschlag lösen. Darauf achten, dass das Werkzeug nicht herausfällt und mit der Spitze aufschlägt.
(Spindel ist der Fachbegriff für Hohlwellen oder Antriebe mit Längsverschiebung auf Werkzeugmaschinen.)
Rechts daneben befindet sich das Drehkreuz für den Vorschub. Darunter die sog. Maschinentafel mit Schaltern und Reglern. Die großen Knöpfe schalten den Motor ein/aus. Der kleine darunter ist für den Magnet. Links davon ist der Regler für die Drehgeschwindigkeit, darüber die Leuchtdioden für die magnetische Haltekraft.
Der obere Wippschalter ist für vor/rückwärts. Damit könnte man z. B. Gewinde direkt schneiden. Ich rate allerdings davon ab, wenn Sie damit keine Erfahrung haben. Der Schalter befindet sich an einer unpraktischen Stelle und die Maschine bleibt zwischen den Drehrichtungen nicht stehen. Ist eher geeignet für Honen oder polieren von Bohrungen. Die Gummischnur dient dazu, die Maschine am höchsten Punkt festzuhalten. (In dieser Beziehung ist den Herstellern bislang offenbar immer noch nichts eingefallen.)
Nicht sichtbar, diese Maschine hat auf der anderen Seite noch einen Schieber für das mechanische Getriebe, das zwei Grundgeschwindigkeiten zulässt. Manchmal auch vier, aber bei elektronischer Regelung sind zwei eine gute Ausstattung. (Motor, Maschine und Steuerung müssen nicht unbedingt vom selben Hersteller stammen. Deshalb die Überschneidungen.)
Wie für alle präzisen Maschinen gilt auch hier: Sorgsamer Umgang, nicht umkippen lassen, bei offensichtlicher Überlastung Vorschub mindern, bzw. Werkzeug auf Zustand und Schärfe prüfen.



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