Umgang mit einer Kappsäge
- Theo
- 9. Juni
- 7 Min. Lesezeit
Diese Maschine ist eigentlich die logische Fortsetzung der kürzlich vorgestellten Gestellsäge mit Gehrungseinrichtung. Man verwendet sie in erster Linie zum Ablängen von Leisten, Brettern und je nach Größe, auch für kleine Balken in 90°.
Die zweite Linie ist das Zuschneiden von Rahmen aller Art mit regelmäßigen Ecken, 4,6 oder 8, etc.
Und gelegentlich wird auch der saubere Stoß eines Profiles beliebiger Art, z.B. bei einem Handlauf durch einen den Winkel halbierenden Schnitt angefertigt. Dazu später mehr.

Kappsägen in einfachster Ausführung lassen sich nur senkrecht nach unten Kippen. Die maximale Arbeitsbreite wird durch den Durchmesser des Sägeblattes bestimmt. Für das Sägen von Leisten und z. B. Dachlatten reicht das aus. Gehrungsschnitte sind meistens trotzdem nach rechts und links möglich. Weshalb das wichtig sein kann, erkläre ich später. Die häufigsten Einstellungen sind meistens durch Rasten feststellbar. Also 45° und ev. 22,5° oder 15°, 30°.
Die Nullstellung des Blattes sollte ab und zu überprüft werden. Dazu schneidet man ein Reststück mit 90° ab und dreht es auf der Maschine um 180° um. Das Blatt muss auf der ganzen Länge auch umgedreht genau mit dem Schnitt fluchten. Wenn man es ganz genau wissen möchte, das Werkstück an der Schnittfläche einfärben und durch vorsichtiges seitlichesAnschieben an das Sägeblatt touchieren. Dadurch zeigen sich auch kleinste Fehler, die Sie bei geraden Stößen leider kaum ignorieren können. Wie Sie die Einstellung korrigieren, entnehmen Sie bitte der Anleitung. (Fehlende Anleitungen finden Sie inzwischen fast ausnahmslos im Netz.)
Dort finden Sie übrigens auch empfohlene bzw. passende Sägeblätter und weitere wichtige Hinweise zu der Maschine. Zum Beispiel der Durchmesser der Aufnahmebohrung und derjenige des Blattes außen. Bei Kappsägen ist dies extrem wichtig.
Ich kann hier nur allgemeine Tipps geben. Wenn Sie die Maschine gemietet oder ausgeliehen haben, verlangen Sie eventuell besser Ersatz oder klären die Sache mit dem Vermieter bzw. Besitzer.
An dieser Stelle ein Wort zum Zustand von Sägeblättern. Achten Sie beim ersten Schnitt darauf, ob es klemmt, raucht oder sich sonst irgendwie seltsam anfühlt. Es ist leider nicht so, dass ein Sägeblatt ewig hält. Teure mit Hartmetall bestückte Teile lassen sich nachschärfen. Das kann man jedoch nicht selbst tun, dazu benötigt man äußerst präzise Maschinen. Die meisten Händler dürften einen entsprechenden Service anbieten. Günstige Blätter werden eher durch neue ersetzt. Bei eigenen Maschinen dürfte die erste Variante vorzuziehen sein, wobei man mit Vorteil mehrere anschafft, um im Notfall die Arbeit nicht gleich einstellen zu müssen. Ein fieser Nagel- oder Schraubenrest ist schnell übersehen. Bei Miet- oder Leihgeräten könnte ein Ersatzblatt beiliegen oder wenigstens rasch lieferbar sein.
Ein unscharfes Blatt ist nicht bloß ein Ärgernis. Durch die am Werkstück auftretende Kraft können die Teile oder Abschnitte davon weggerissen werden. Das kann gefährlich sein und genaues Arbeiten ist kaum mehr möglich. Einmal ganz abgesehen vom Verschleiß der Maschine und dem hohen Energieverbrauch. Im Übrigen ist es auch machbar, mit einem für Aluminium geeigneten Sägeblatt, Holz zu schneiden, falls vorhanden. Bloß umgekehrt dürfte es nicht funktionieren.
Damit sind wir bei den Materialien gelandet. Kappsägen schneiden auch die meisten Buntmetalle sowie Aluminium, PVC-Profile, Kunstharzleisten, gewisse Hartschaumsorten etc.
Mit einem für den jeweiligen Zweck hergestellten bzw. vom Hersteller empfohlenen Sägeblatt, selbstverständlich.
Bei den Metallen ist eine Sprühnebelschmierung unbedingt notwendig. Das kann allerdings auch mit einem gewöhnlichen Handsprüher erfolgen. Ab und zu ein Sprühstoß auf das laufende Blatt reicht aus. Vor allem bei Alu wichtig. Die Zähne verschmieren sonst rasch mit Alurückständen, zu sog. Aufbauschneiden. Ausgeschlossen ist jedoch stets das Schneiden von Stahl (Eisen) mit einem schnelllaufenden Sägeblatt! (Bitte auch nicht ausprobieren!)
Zusätzlich zur Winkelverstellung des Sägetisches lässt sich bei manchen Maschinen auch der Sägekopf schwenken. Wenn man einen solchen Schnitt, mit Winkeln in gleichzeitig zwei Ebenen benötigt, sicher eine tolle Einrichtung. In der Praxis allerdings eher eine weitere Fehlerquelle, die man im Auge behalten muss. Falls sich der Sägekopf ohne Absicht nur etwas schräg gestellt hat, kann ein Werkstück, z. B. ein Rahmen für ein Gemälde, mit 45° geschnitten, schlicht zu Brennholz werden. Besonders passend, wenn man gerade genug Material für den einen Rahmen hatte. Die Senkrechte können Sie mit einem auf den Sägetisch gestellten normalen 90° Anschlagwinkel einigermaßen genau überprüfen. Eine dafür vorhandene Skala mit kleinem Durchmesser kann eventuell auf Fehler hinweisen, aber damit den Sägekopf exakt ausrichten zu wollen, gehört ins Reich der Glücksachen.
Brauchbar ist dafür der an vielen Maschinen vorhandene Auszug, der auch Schnitte an breiten Teilen zulässt. Bloß sollte man nicht vergessen, die Maschine nach Gebrauch wieder zu verriegeln. Wenn man nichts Böses denkt und eher nebenbei rasch etwas schneiden will, kommt einem die Maschine, angetrieben vom Sägeblatt, eventuell sehr unsanft entgegengeflogen. Natürlich sind wir stets konzentriert, wenn wir mit Kreissägen arbeiten. Und wir spannen die Werkstücke immer fest, bevor wir sägen. Und der Storch bringt uns gelegentlich einen süßen Säugling vorbei.
Im Ernst: Wenn Sie ein gerades Brett mit 90° absägen, dann wird es sich kaum auf der Maschine bewegen. Aber wenn Sie 45° schneiden, beginnt das Blatt am Stück zu ziehen. Das gilt besonders bei Metallen. Wenn das Werkstück an einem Anschlag anliegt, kann das gutgehen. Aber irgendwann auch schief. Deshalb spannen Sie bei Schrägschnitten wenn immer möglich auf.

Wichtig: Versuchen Sie auf keinen Fall, lose Bündel aus Ästen oder Rundstäben zu sägen! Auch nicht mit 90°!
Am gefährlichsten sind jedoch Kleinteile. Zum Beispiel, es sollen aus Leistenresten von 10 cm Länge jeweils 3 Stücke à 3 cm geschnitten werden. Absolut undenkbar, diese noch mit der bloßen Hand festhalten zu wollen! Was Sie tun können: Legen Sie die Leiste an einen seitlichen Anschlag an. Da ist rasch etwas festgeklemmt. Der Anschlag darf in diesem Fall jedoch nicht höher als das zu schneidende Teil sein. Dann legen Sie ein Brettstück in Längsrichtung zum Sägeblatt oder auch einen Rest Sperrholz etc. darüber und drücken das Werkstück damit nach unten. Eventuell platzieren Sie vor der Maschine ein Stück Kantholz, dann liegt das Teil gerade auf und wackelt nicht. Nach dem ersten Schnitt durch Druck- und Werkstück können Sie die Fuge immer wiederverwenden. Dieses Beispiel ist mit Absicht etwas krass. Wo die Grenze für Ihre eigenen Finger liegt, werden Sie selbst entscheiden müssen. In diesem Fall lohnt es sich jedoch kaum, ein hohes Risiko einzugehen. Und wenn Sie auf der Baustelle professionell wirken möchten, dann tun Sie es auch nicht.
Nun komme ich zum Sägen von Profilen. Unter Profilen versteht man im Handwerk Leisten/Stangen mit unregelmäßigen Formen im Querschnitt. Darunter fallen auch Hohlkörper wie beispielsweise Material zum Anfertigen von Türen oder Fenstern. (Beispiel auf Bild 2). Kreisrunde Rohre oder rechteckige und quadratische Formen jedoch nicht. Ein einfaches Beispiel: eine elegant geformte Leiste zum Bau von Bilderrahmen. Für ein rechteckiges oder quadratisches Bild schneiden wir vier Stücke mit jeweils 45°. Einmal vom Mass abgesehen, sonnenklar.
Acht mal 45° ergibt 360°, bei Vierecken oder Kreisen die Summe aller Winkel.
Gedankenspiel: 4 x 40° plus 4 x 50° ergibt ebenso 360°.
Also sollte der Rahmen doch eigentlich ebenso zu einem rechtwinkligen Viereck zusammengefügt werden können?
Ja, tatsächlich. Das Viereck kommt zustande. Zu einem abstrakten Gemälde würde es womöglich sogar passen.

Was ich Ihnen noch mitgeben kann, bei Schnitten mit 45° ist das Zumaß von innen zu außen auf jeder Seite genau gleich wie die Breite des Werkstücks. Also wenn Sie einen Rahmen aus Dachlatten mit den üblichen 5 cm Breite schneiden wollen, der ein Innenmaß von 50 x 50 cm haben soll, dann längen Sie 4 Teile mit dem Außenmass 60 cm ab. Mit einer 6 cm Leiste wären es entsprechend 12 cm mehr, usw.
Noch eine kleine Ergänzung: Wenn Sie Rahmen aus vier- oder rechteckigen Leisten schneiden. Kein Bilderrahmen, einfach ein Vieleck. Theoretisch müssen Sie die Säge nach jedem Schnitt von links nach rechts umstellen, da ja die Gehrung innen immer zum Zentrum zeigen muss. Das bedeutet auch, dass der Rest der Leiste jedes Mal neu angeschnitten wird, weil die Schräge ja in die falsche Richtung weist.
Nicht wirklich falsch, aber unnötig.
Sie können, nein, Sie sollten die Leiste einfach um 180° drehen und danach ablängen. Dadurch gewinnen Sie sogar Material. Mit etwas Glück reicht ein Meter Leiste für einen Rahmen mit dem Außenmass von 1,1 m aus. Das hängt von der Breite der Leiste ab. Bei 100 Stück solcher Rahmen hätten Sie eventuell eine ganze Menge Material zu viel bestellt. Das gilt übrigens sinngemäß ebenso für Rohre und alle anderen regelmäßig geformten Profile. Bei kreisrunden Rohren ist es allerdings nicht ganz einfach, die 180° zu bestimmen. Das Anlegen einer Wasserwaage oder einer Schablone kann helfen. Wirklich passende Stöße sind jedoch schwierig zu erreichen. Praktikabel bei Rohren, die verschweißt werden, dabei lassen sich die Fugen ein Stück weit verfüllen.
Der Vollständigkeit halber gehe ich hier noch auf den Zuschnitt des oft erwähnten Bilderrahmens ein. Die Rahmenleiste, so wird die Meterware genannt, hat auf der Rückseite einen Falz, in den später der Spannrahmen einer Leinwand eingelegt werden soll. Entsprechend ist das Innenmaß des Rahmens kleiner als das Außenmaß des Spannrahmens. Details dazu finden Sie auf dem folgendem Bild.

Der Rahmen wird ab Falz ausgerechnet: 2x 3,5 cm Restbreite zu den Maßen des Spannrahmens. (Oder einer anderen bemalten Unterlage aus Karton, Holz etc.). Damit allein ist es allerdings noch nicht getan. Die Einlage braucht etwas Luft oder auch Spiel im Falz. Schon nur, weil Rahmen/Bilder eher selten genau rechtwinklig sind. Geben Sie etwa 5 mm zur Länge und zur Breite Ihres Rahmens zu. Im Beispiel ist die Einlage 15,5 cm im Quadrat. Rahmenaußenmaß 23 x 23 cm.
Bei dieser Leiste klappt der Zuschnitt nicht mit Umdrehen. Man muss jeweils neu anschneiden und dann ablängen. Wie man einen solchen Rahmen schließlich zusammenfügen kann, darauf gehe ich bei anderer Gelegenheit ein.

Bei diesem geht es in erster Linie um den sauber passenden Stoß bei Richtungs-änderungen. Egal ob waagerecht oder in Steigungen, der Schnitt muss den Winkel stets halbieren. Also bei unserer Treppe mit 36° Steigwinkel würde der zu sägende Winkel am Anfang oder am Ende 2 x 18° Grad betragen. Je nachdem von oben oder von unten begonnen.
Beim Abbiegen mit 90° oben an der Treppe kämen die bekannten 2 x 45°, senkrecht geschnitten, zur Anwendung.
Eine Mischung aus beidem ist bei einem Profil nicht mehr möglich, weil sich die Teile gegeneinander verdrehen.
Ganz grundsätzlich: Die Schnittwinkel bei unregelmäßig geformten Rahmen richtig zu bestimmen und auf die Säge zu übertragen, gehört zu den schwierigsten Aufgaben eines Handwerkers. Selbst wenn die Längenmaße der einzelnen Teile schon bekannt sind. Darüber werde ich bestimmt weiter berichten. Falls Sie schon vorher ein solches Projekt beginnen, ein letzter Tipp: Fangen Sie mit den längsten Stücken an. Dann können Sie das Material, im Falle eines Falles, wenigstens weiterverwenden. Viel Glück dabei.



Kommentare