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Ich bin eine Niete und stolz darauf

  • Theo
  • 9. Juni
  • 8 Min. Lesezeit

In diesem Abschnitt geht es um Befestigungen an dünnen Blechen. Z. B. bei Möbeln aus Metall, wie Schränke oder Kisten aus Blech.


Das Scharnier hält zwar noch. Die Verbindung zeigt aber schon erste Ermüdungserscheinungen.


Gehen wir einmal davon aus, Sie müssen ein abgebrochenes Scharnier an diesem Werkzeugschrank ersetzen. Das Teil ist punktgeschweißt und muss jetzt irgendwie anders befestigt werden. Sie denken daran, zwei oder drei Löcher zu bohren und das Ding mit durchgehenden Schrauben zu befestigen. Die Idee an sich ist gut. Es gibt genügend Platz auf der Innenseite für die Muttern und diese sind auch noch für das Festziehen zugänglich. Was Sie auf dem Bild nicht sehen können, diese Tür hat keinen Platz für vorstehende Schrauben im Türfalz.


Auch das lässt sich lösen, Sie verwenden ganz einfach Senkschrauben, wie die auf dem Foto. Zum Beispiel jeweils 3 Stück mit der Bezeichnung im Baumarkt M 4 x 16. Das ist kein komplizierter Code, M steht für metrisches Gewinde, (anstelle von Zoll in der angelsächsischen Welt), die Zahl 4 x 16 bedeutet, dass die Schraube 4 mm dick und 16 mm lang ist. Das Gewinde ist Standard, wenn nichts anderes steht, mit einer Steigung von 0,7 mm pro Umdrehung. Diese Zahlen müssen Sie sich nicht merken! Wenn Sie metrische Schrauben kaufen, dann erhalten Sie Normware, auch Regelgewinde genannt. Feingewinde oder noch seltenere Arten bilden die absolute Ausnahme und sind kaum in einem Baumarkt vorrätig. Konzentrieren Sie sich auf gängige Größen, M 3, M 4, M 5, M 6, M 8, M 10, M 12 und eventuell noch M 16. (Unten finden Sie eine Tabelle mit weiteren Angaben.) Zu diesen erhalten Sie ebenso die passenden Scheiben und Muttern normalerweise ab Lager. Die Längen sind ebenso gestuft, das heißt, es ist nicht jeder Millimeter erhältlich. Was dabei wichtiger sein könnte: Die angegebene Länge ist stets die nutzbare Länge. Also bei Schrauben mit Sechskant - ohne den Kopf.


Und weil man eine Senkschraube auf der ganzen Länge nutzt, ist sie die Ausnahme. Eine M 4 x 16 misst tatsächlich 16 mm.


Und als Letztes zum Thema metrische Senk-Schrauben an dieser Stelle: Auch die Senker für diese Schrauben entsprechen der Norm.


Natürlich können Sie mit einem größeren 90° Senker auch kleinere Schrauben einpassen. Einfach stückweise bohren, bis der Senkkopf nicht mehr vorsteht. Für Heimwerker dürfte das üblich sein. Wenn Sie allerdings einmal eine Menge Senkungen bohren müssen, könnte sich die Anschaffung eines passenden Werkzeuges lohnen.


Wir haben dieses Problem nun gelöst und dem Nachbarn davon erzählt. Deshalb bringt uns dieser seine Schranktür mit demselben Schaden zur Reparatur. Inzwischen schon Routine, wir wissen ja genau, was wir brauchen. Und Schrauben sind genügend übrig.


Ein kleiner Unterschied bremst uns jedoch aus. Die Tür des Nachbarn ist innen geschlossen. Also keine Möglichkeit, um auf der Gegenseite die Muttern anzusetzen.


Was bleibt uns an Alternativen?


Blechschrauben! Die schneiden sich selbst ein Gewinde, nachdem man ein Kernloch mit dem richtigen Durchmesser vorgebohrt hat. Ist nicht unmöglich, bloß die Sache mit dem Kernloch ist nicht ohne. Es geht um Zehntelmillimeter. Zu groß, die Schraube hält nicht. Was in dem dünnen Blech ohnehin schwierig werden dürfte.


u klein, die Schraube bricht ab oder bleibt stecken. Bloß der Vollständigkeit halber: Bei dickwandigen Stellen muss das richtige Kernloch für eine Blechschraube zusätzlich an die Länge des Gewindes angepasst werden. Das lässt sich meistens nur durch Versuche ermitteln.


Allerdings, es sind auch Schrauben mit angebauter Bohrspitze im Handel, die für Tiefen von 3-4 mm geeignet sind. Handelsname: Selbstbohrschrauben.


Das ist natürlich zumindest irreführend. Da können Sie lange warten, bis sich eine Schraube ihr Loch selbst bohrt.


Aber Spaß beiseite. Wenn Sie über eine Bohrmaschine mit reduzierbarer Geschwindigkeit und/oder Drehmomenteinstellung verfügen, sind diese Schrauben eine brauchbare Lösung. Was auch nicht fehlen darf, Bits in guter Werkzeugqualität, die das Bohren direkt mit der Schraube aushalten können.


Ob dies zutrifft oder nicht, wir überlegen weiter.


Ein metrisches Gewinde haben Sie schon einmal geschnitten. Sehr gut! Aber in so dünnem Blech? Zur Erinnerung. Ein M 4 Gewinde steigt 0,7 mm pro Umdrehung. Das Blech ist circa 0,5 oder 0,7 mm dick. Das bedeutet, dass eine einzige Gewinde-Rille von 0,7 mm zum Tragen kommt. Das ist definitiv zu wenig. Deshalb verfügt eine Blechschraube über eine viel breitere Gewindeform, die tiefer ins Material eindringt. Die Blechschraube kommt auf bis zu 1,4 mm und klemmt zusätzlich im Loch.


Aber die Schranktüre wird dauernd bewegt. Wenn die Schweißpunkte nicht gehalten haben, werden sich auch die Blechschrauben bald lockern und ausleiern. Außerdem sind die Senkköpfe im Vergleich sehr groß und wären hier im Weg.


An dieser Stelle kommt nun die Blindniete ins Spiel. Die ist auch mit Senkkopf erhältlich.


Eine Blindniete an sich ist ein Hohlkörper, salopp gesagt, ein Röhrchen aus Aluminium oder den anderen gängigen Materialien. Daran wird bei der Herstellung an einem Ende ein Kragen gepresst.


Durch das andere Ende wird ein Stift mit Kopf geschoben, wie auf dem Foto gut zu erkennen ist. Mit der Nietzange wird dieser Stift von oben aus der Niete herausgezogen. Der Kopf staucht dadurch die Niete zusammen, die sich durch den Vorgang verdickt, bis der vorgesehene Anpressdruck erreicht ist. Dann reißt der Stift an einer Soll-Bruchstelle ab und der Rest mit dem Kopf bleibt in der verformten Niete zurück. (Deshalb ist es von Vorteil, bei Anwendungen im Freien oder in feuchter Umgebung Nieten mit einem Stift aus rostfreiem (Edel)-Stahl zu kaufen.)


Für Blindnieten benötigt man spezielles Werkzeug. Bei Durchmessern bis etwa 4 mm reicht dazu eine günstige Handnietzange. Bei größeren Nieten wachsen die Kräfte schnell an. Für Handbetrieb wird dann eine Hebelzange nötig, die an einen Bolzenschneider erinnert.


Die Auswahl an Blindnieten ist schlicht riesig. Von Kupfer über Alu zu Stahl und Edelstahl, in Formen als Becher, Senk, und Standardnieten mit flachem Kragen, in der Form vergleichbar mit einem Nagelkopf, der leicht übersteht. In Durchmessern 3 – 6,4 mm und in Längen bis etwa 20 mm. In der Praxis haben sich Alunieten bewährt, die sind preisgünstig, brauchen weniger Zugkraft als Stahl und rosten nicht. Um größere Mengen zu verarbeiten sind Luft- und neu vor allem auch Akkunieter erhältlich.


Tipp: Für eine 4 mm Niete bohrt man mindestens ein Loch von 4,1 mm. In der Praxis ist das oft zu knapp, weil ein Spiralbohrer in dünnem Material ein leicht dreieckiges Loch erzeugt. Der Bohrer drückt sich durch, sobald er von der Spitze nicht mehr gebremst wird. Dazu mehr an einer anderen Stelle. Verwenden Sie besser einen 4,2 mm Bohrer. Der ist überdies deutlich günstiger als ein 4,1 mm, weil der 4,2 mm auch für Kernlöcher bei metrischem Gewinde M 5 eingesetzt wird. Desto seltener, desto teurer. Man spricht von kurantem Werkzeug. Es lohnt sich durchaus, wenn Sie bei diesen Größen gleich eine 10er Packung einkaufen. Diese Bohrer brechen auch bei vorsichtigem Arbeiten gelegentlich ab, vor allem wenn die Schärfe nachlässt. Sie richtig zu schleifen ist sehr schwierig.


Eine weitere Anwendung für Blindnieten sind Verbindungen von weichen Materialien. Weich im Vergleich zu Stahl oder Alu. Eine Niete übt beim Einstauchen einen ziemlichen Druck auf die Verbindungsstelle aus. Das hat den Vorteil, dass die Teile auch ohne zu spannen, satt aufeinanderliegen. Besonders groß wird der Druck im Bohrloch an der Unterseite. Das kann eine Plexiglasscheibe sprengen oder die Niete zieht sich einfach durch das Loch, wenn Sie z. B. zwei Planen bei einem Anhänger zusammennieten wollen. Abhilfe schaffen Unterlegscheiben, bei zwei weichen Teilen auf beiden Seiten. Eine normale Unterlegscheibe hat ein kleines Übermaß, damit sie auf der Schraube nicht klemmt. Das passt auch für die Nieten.


Das Unterlegen von Scheiben beim Nieten ist ein bewährtes System. Allerdings muss die mögliche Klemmlänge der Nieten beachtet werden. Den Klemmbereich finden Sie auf der Packung. 4 mm (Alu)-Nieten mit der Länge 10 mm reichen für einen Bereich von 0 – 7 mm. Daran anschließend reicht die Länge von 16 mm von 8 – 12 mm. Das sind nur Grundwerte, diese sind vom Hersteller abhängig.


Wichtig: Eine zu lange Niete kann zwar trotzdem gezogen werden. Aber sie hält nicht richtig oder wird eventuell sogar zerstört. In der Praxis achten wir darauf, dass schwere oder bewegliche Teile innerhalb der geltenden Normen vernietet werden. Bei einem Stück Plane kann man auch mal ein Auge zudrücken. Aber eine definitiv zu kurze Niete wird unweigerlich durch das Loch gezogen und hält gar nicht. Eine solche Niete muss wieder ausgebohrt werden. Am besten mit dem gleichen Bohrerdurchmesser, den man für das Loch verwendet hat. Dadurch kann man ohne Qualitätsverlust eine neue Niete in der richtigen Länge einsetzen.


Eine Auswahl an Nieten. Neue, im Leder gezogen mit Scheibe, daneben der gebrauchte Dorn und die Handnietzange.


Die zweite Kategorie von Blindnieten sind Einnietmuttern. Das heißt, man bringt eine Hülse mit Innengewinde nach dem gleichen Prinzip wie eine Blindniete in dünnes Blech ein. Ebenso ist der Zugang auf einer Seite ausreichend.


Im Vordergrund eine gezogene neben einer unversehrten Hülse.


Auch auf der Zange sieht man eine gestauchte Nietmutter.


Rechts liegen Setzwerkzeuge, die sind auch bei engen Verhältnissen noch anwendbar.


Zangen für Nietmuttern benötigen bei verschieden Materialstärken jeweils eine erneute Einstellung. Sie sind vor allem bei mittleren Stückzahlen in der Werkstatt üblich. Gerade bei kleinen Gewinden in Alu besteht die Gefahr des Überziehens. Die Auswahl ist ähnlich groß wie bei den Blindnieten. Alu, Stahl, Edelstahl, mit Rand, Kragen oder zum Einsenken.


Anstelle von Zangen kann man ein Setzwerkzeug wie auf dem Foto benutzen. Ein solches Werkzeug vermittelt ein besseres Gefühl dafür, wann die Hülse zu klemmen beginnt.


(Bei größeren Hülsen, wie M 8 oder M 10 kann man unbesorgt kräftig festziehen.)


Natürlich sind für häufigen Gebrauch Druckluft- oder Elektrowerkzeuge erhältlich.


Zwei anspruchsvolle Beispiele: die Befestigung eines Regals in einem Montagefahrzeug oder Hängeschränke in einem Wohnmobil. Dazu benötigt man Fixpunkte, die nicht gleich nachgeben bei scharfem Bremsen oder falls man in ein Schlagloch gerät.


Grundsätzlich kann man beide Verfahren anwenden. Wir bringen stabile Halteschienen, in welcher Form auch immer, mit einer großen Anzahl kleiner Nieten an. Oder eben mit einigen Einnietmuttern an wenigen Stellen. Das hängt vor allem von den Gegebenheiten ab. Natürlich bohrt man keine Löcher in die Außenhaut eines Lieferwagens. Wir müssen uns an die hohlen Tragprofile im Innenraum halten.


Eine Schwachstelle muss ich erwähnen: Wenn die Muttern zu wenig stark gestaucht werden, kann es vorkommen, dass sich die Hülse im Blech beim Festziehen der Schraube mit dreht. Das ist auf den ersten Blick zwar nicht besonders schlimm, die Hülsen halten trotzdem. Es kann allerdings ein Lösen der Schraube praktisch verunmöglichen. Eventuell hilft ein vorsichtiges Verkanten oder der Einsatz eines Schlagschraubers. Der müsste jedoch erstmal auch zur Verfügung stehen.


Nach erfolgtem Lösen sollte man die Hülse nach Möglichkeit durch eine Neue ersetzen. Durch das Reiben im Loch kann sie unsichtbar beschädigt sein und wird ohnehin kaum jemals wieder richtig halten.


Eine eigene Kategorie in Fahrzeugen bilden Zurrsysteme für das Sichern von Ladungen. Diese Schienen werden mit sehr vielen Nieten an den glatten Wänden im Innern eines Kastenaufbaus befestigt. Sehr gut geeignet dafür sind Blindnieten aus Aluminium mit einem Durchmesser von 6,4 mm. Weil diese Nieten elastischer sind als Stahl, halten sie deutlicher länger und brechen nicht plötzlich ab. Bei Bedarf ersetzt man in Lauf der Jahre die ausgeleierten Nieten durch neue.


Die Werkzeuge sollten in einem gutsortierten Laden zur Miete erhältlich sein. Trotzdem klären Sie das eventuell zuvor ab, bevor Sie Nieten über 4 mm einkaufen. Eine solche Handnietzange ist relativ günstig zu haben. Ein Werkzeug für Nietmuttern kann dagegen mehrere Hundert Euro kosten.


Nietmuttern werden meistens in ganzen Millimetern, wie die normalen Blindnieten geliefert. Die passenden Bohrer, ein oder zwei Zehntelmillimeter größer, beim Bestellen nicht vergessen. Als Notlösung für einzelne Hülsen können Sie mit einem Kegelsenker oder Krauskopf das Loch so knapp wie möglich nacharbeiten, bis die Nietmutter passt.





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